7.2.1 Aufbau eines Lecksuchers mit Massenspektrometer
Die Funktion von Quadrupol-Massenspektrometern ist in Kapitel 6.3 dargestellt. Diese Geräte werden sowohl als reine Restgas- oder Prozessgas-Analysatoren in Vakuumsystemen eingesetzt als auch zur Lecksuche genutzt. Einlasssysteme zur Analyse von Gasgemischen bei höheren Drücken – auch zur Lecksuche – sind in Kapitel 6.3.5 beschrieben. Gasanalysesysteme auf der Basis von Quadrupol-Massenspektrometern können als Multigas-Lecksuchgeräte eingesetzt werden.Die Funktion von Sektorfeld-Massenspektrometern ist in Kapitel 6.2 dargestellt.
Auch die in Abbildung 7.2 gezeigte Spektrometerzelle eines Lecksuchgeräts funktioniert nur bei Drücken unterhalb von 10-4 hPa. In Lecksuchgeräten wird dieser Druck durch ein eigenes Pumpsystem erzeugt und aufrecht erhalten. Hierzu sind keine Bedienereingriffe erforderlich.
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Abbildung 7.2: Funktion eines Sektorfeld-Massenspektrometers
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Abbildung 7.3: Generelles Fließschema eines Lecksuchgeräts
Während Luft durch das hohe Kompressionsverhältnis der Turbopumpe von der Spektrometerzelle ferngehalten wird, kommen dort leichte Prüfgase mit relativ hohem Partialdruck an. Die Turbopumpe wirkt so als selektiver Filter für Helium und Wasserstoff. Man kann deshalb schon bei Drücken < 10 hPa (bei einigen Geräten auch höher) im Prüfling Helium und Wasserstoff mit der Spektrometerzelle nachweisen. Über verschiedene Zwischenabsaugungen an der Hochvakuumpumpe (4) sowie über deren Betrieb mit verschiedenen Drehzahlen, die das Kompressionsverhältnis exponentiell beeinflussen, kann man einige Zehnerpotenzen des Heliumpartialdruckes und damit auch einen Leckratenbereich im Gegenstrom zwischen 1 und 10-9 Pa m3 s-1 abdecken. Für die höchste Empfindlichkeitsstufe des Lecksuchers (Einlass über Ventil (4)) muss ein Druck im Bereich von einigen 10-2 hPa im Prüfling erreicht und der Lecksucher im Hauptstrom betrieben werden.
Durch die vorgeschaltete Turbopumpe arbeitet das Massenspektrometer immer bei sehr niedrigem Totaldruck und ist so gut gegen Verschmutzung und Ausfälle geschützt.
7.2.2 Aufbau eines Lecksuchers mit Quarzfensterdetektor
Während massenspektrometrische Detektoren die Trennung eines Gasgemischs durch Ionisation mit nachfolgender Separation in einem magnetischen oder elektrischen Feld durchführen, nutzen Quarzfenster-detektoren unterschiedliche Permeationseigenschaften von Gasen aus.Das Prüfgasgemisch wird an die Quarzoberfläche einer beheizten Membran geführt. Die Trägerschicht für die Quarzmembran besteht aus einem Silicium-Wafer mit mehreren tausend Löchern, durch die sämtliche ankommenden Gasatome und -moleküle an die Quarzmembran gelangen können. Die eigentliche Trennung erfolgt an der Quarzmembran, die Durchlässigkeit für Helium zeigt, nicht aber für andere Gase. Die Dicke und Temperatur der Membran sind die Einflussgrößen für die Permeation des Prüfgases Helium. Nach Durchtritt der Gase durch die Membran wird das eingedrungene Prüfgas ionisiert und der gemessene Ionenstrom ist ein Maß für die Leckrate.
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Abbildung 7.4: Funktionsprinzip Quarzfenstersensor
Für die Prüfung wird das Absperrventil (9) geöffnet. Die optionale Pumpe kann einen Gasstrom erzeugen, der bei höheren Anlagendrücken die Ansprechzeit des Sensors verringert.
Der Sensor (2) misst den Partialdruck von Helium im Vakuum. Mit einem Prüfleck (7) an der Anlage wird die Ansprechzeit bestimmt und das Gerät kalibriert.
Zum Schutz des Sensors und zum Freispülen des Geräts nach einem intensiven Signal kann eine automatische Spülung durchgeführt werden. Das Ventil (4) öffnet den Einlass mit Drossel (5), und der Sensor wird kurzzeitig mit Außenluft gespült.
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Abbildung 7.5: Vakuumschema des Quarzfenster-Lecksuchers MiniTest an einer Anlage
7.2.3 Prüfverfahren
Die Prüfverfahren bei der Lecksuche richten sich nach der Art des Prüflings und dem geforderten Prüfergebnis. In der DIN EN 1779 [34] sind die folgende Kriterien formuliert:- Wird der Prüfling bei Überdruck oder bei Unterdruck geprüft? Dabei sollte man bei der Auswahl des Prüfverfahrens möglichst eine Methode wählen, die den Druckgradienten im tatsächlichen Einsatzfall des Prüflings berücksichtigt.
- Soll nur ein Teilbereich des Prüflings getestet werden oder soll der gesamte Prüfling getestet werden?
- Soll eine lokalisierende Lecksuche durchgeführt werden, die zur Auffindung von Lecks dient oder soll eine integrale Lecksuche zur quantitativen Bestimmung einer Leckrate im Rahmen einer Qualitätssicherung durchgeführt werden?
Lecksucher sind für zwei Betriebsmodi ausgerüstet:
- Die Vakuummethode, bei der der Prüfling evakuiert wird und von außen mit Prüfgas beaufschlagt wird
- Die Schnüffelmethode, bei der der Prüfling mit Prüfgasüberdruck Δp > 100 hPa gefüllt und das austretende Prüfgas über eine Schnüffelsonde in den Lecksucher eingesaugt und nachgewiesen wird.
7.2.4 Kalibrierung des Lecksuchers
Zur quantitativen Bestimmung von Leckraten muss der Lecksucher kalibriert werden. Man benutzt dazu ein käufliches Prüfleck, das unter definierten Bedingungen eine bekannte und wiederholbare Prüfgasrate erzeugt. Kommerzielle Bauformen sind als Permeationsleck oder als Kapillarleck mit oder ohne Prüfgasreservoir erhältlich. In einen Lecksucher sind meist Permeationslecks mit Heliumreservoir eingebaut. Für eine Kalibrierung ist in Lecksuchern oft ein entsprechendes Ablaufprogramm eingebaut, das die Kalibrierung automatisch vornimmt.Für genaue Messungen sollte eine Kalibrierung direkt vor jedem Einsatz vorgenommen werden. Für den Test von großen Prüflingen bei denen zusätzliche Vakuumpumpen im Einsatz sind, ist es sinnvoll, ein externes Prüfleck zu verwenden. Das Prüfergebnis kann vom Anbringungsort des Testlecks abhängen. Deshalb sind die Strömungsverhältnisse innerhalb des Vakuumbereichs zu berücksichtigen. Auch zur Bestimmung einer maximalen Ansprechzeit ist der Einsatz von externen Prüflecks sinnvoll.
7.2.5 Lokale Lecksuche
Die lokale Lecksuche dient dazu, die Undichtigkeiten an einem Prüfling aufzufinden.Bei der Vakuummethode schließt man den Prüfling (Behälter) an den Lecksucher an und sprüht für kurze Zeit Helium mit einer Dosiersprühpistole auf eine verdächtige Stelle. Ist der Druck im Prüfling im molekularen Strömungsbereich also < 10-3 hPa, so ist die Prüfgeschwindigkeit vom Volumen des Prüflings und dem effektiven Saugvermögen des Prüfaufbaus für Helium abhängig. Je kleiner der Prüfling oder je größer das Saugvermögen des eingesetzten Lecksuchers oder einer Hilfspumpe, umso schneller erhält man das Ergebnis. Bei höheren Drücken, besonders im laminaren Strömungsbereich größer 1 hPa wird die Anzeigegeschwindigkeit durch das Saugvermögen der Vorpumpe des Lecksuchers bzw. einer Hilfspumpe bestimmt.
Bei der Schnüffelmethode nach Abbildung 7.6 füllt man den Prüfling (3) mit Prüfgasüberdruck. Eine Schnüffel-sonde (2) ist mit dem Schnüffelanschluss des Lecksuchers verbunden. Das durch Lecks im Prüfling austretende Prüfgas kann durch Abschnüffeln mit der Sonde nachgewiesen werden.
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Abbildung 7.6: Lokale Lecksuche mit der Schnüffel- und Vakuummethode
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SchnüffellecksucheVakuumlecksucheMethodeAbschnüffeln des mit Prüfgas gefüllten TestobjektsAbsprühen mit HeliumMechanische FestigkeitGegen ÜberdruckGegen atmosphärischen Druck von außen gegen Vakuum (Druckdifferenz 1000 hPa)Nachweisgrenze< 1 · 10-8 Pa m3 s-1< 5 · 10-13 Pa m3 s-1
Tabelle 7.1: Lokale Lecksuche mit Schnüffel- und Vakuumverfahren
7.2.6 Integrale Lecksuche
Die integrale Lecksuche bestimmt die Gesamtleckrate, also die Summe der Leckraten aller Lecks eines Prüf-objekts. Auch hier kann man mit der Vakuummethode und der Schnüffelmethode arbeiten.-
SchnüffellecksucheVakuumlecksucheMethodeAkkumulationsprüfung,
Sammeln des austretenden Prüfgases in einer umgebenden Hülle oder KammerPrüfling unter Überdruck, Messung des austretenden Prüfgases in einer VakuumkammerPrüfling unter Vakuum, Messung des aus einer umgebenden Hülle in den Prüfling eintretenden PrüfgasesMechanische FestigkeitGegen Überdruck des PrüfgasesGegen Überdruck des PrüfgasesGegen atmosphärischen Druck von außen gegen Vakuum (Druckdifferenz 1000 hPa)GeschwindigkeitlangsamschnellschnellNachweisgrenzeEinsatz meist > 1 · 10-5 Pa m3 s-1< 5 · 10-13 Pa m3 s-1< 5 · 10-13 Pa m3 s-1Tabelle 7.2: Integrale Lecksuche mit Schnüffel- und Vakuumverfahren
Bei der Prüfung umschlossener Prüfobjekte (Methode B6 nach DIN EN 1779, Abbildung 7.7 links) füllt man den Prüfling mit Helium und platziert ihn in einem umgebenden Vakuumbehälter. Das austretende Prüfgas wird quantitativ vom Lecksucher nachgewiesen.
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Abbildung 7.7: Integrale Lecksuche mit der Vakuummethode
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Abbildung 7.8: Integrale Lecksuche mit der Schnüffelhüllenmethod