-
p=\frac{F}{A} Formel 1-3: Druckdefinition
-
p\quad\text{Druck}\ [\text{Pa}] -
F\quad\text{Kraft}\ [\text{N}];\ 1\ \text{N}=1\ \text{kg}\ \text{m}\ \text{s}^{-2} -
A\quad\text{Fläche}\ [\text{m}^2]
-
Abbildung 1.2: Definition des Totaldrucks
-
Abbildung 1.3: Definition des Partialdrucks
-
GasartChem. FormelVolumen-%Partialdruck [hPa]StickstoffN278.09780.9SauerstoffO220.95209.5WasserdampfH2O< 2.3< 23.3ArgonAr9.3·10 -19.3KohlendioxidCO23.0·10-23.0·10-1NeonNe1.8·10 -31.8·10-2WasserstoffH2< 1·10-3< 1·10-2HeliumHe5.0·10 -45.0·10-3MethanCH42.0·10-42.0·10-3KryptonKr1.1·10 -41.1·10-3KohlenmonoxidCO< 1.6·10-5< 1.6·10-4XenonXe9.0·10 -69.0 . 10-5DistickstoffoxidN2O5.0·10 -65.0·10-5AmmoniakNH32.6·10-62.6·10-5OzoneO32.0·10-62.0·10-5WasserstoffperoxidH2O 24.0·10-84.0·10-7IodI23.5·10-93.5·10-8RadonRn7.0·10 -187.0·10-17
Tabelle 1.1: Zusammensetzung der atmosphärischen Luft. Die angegebenen Partialdrücke sind auf 1.000 hPa bezogen.
Hinweise: Der angegebene Wert für Wasserdampf ist der Sättigungszustand bei 293 K (20 °C). Die Werte für Kohlendioxid und Kohlenmonoxid schwanken in Abhängigkeit von Ort und Zeit. Die Angabe für Kohlenmonoxid ist der Spitzenwert einer Großstadt. Andere Quellen sprechen von einer natürlichen Wasserstoffkonzentration von 5·10-5 % und einem Partialdruck von 5 · 10-4 hPa.
-
DruckbereichDruck in hPaDruck in hPaTeilchen pro cm3Mittlere freie Weglänge in mAtmosphärendruck1,013.25101,3252.7·10196.8·10-8Grobvakuum (GV)300…130,000…1001019…101610-8…10-4Feinvakuum (FV)1…10-3100…10-11016 …101310-4…10-1Hochvakuum (HV)10-3…10-810-1…10-61013…10810-1…104Ultrahochvakuum (UHV)10-8…10-1110-6…10-9108…105104…107Extrem hohes Vakuum (XHV)<10-11<10-9<105>107
Tabelle 1.2: Druckbereiche in der Vakuumtechnik
-
PabarhPaµbarTorrmicronatmatmm WSpsipsfPa11·10-51·10-2107.5·10-37.59.87·10-61.02·10-50.1021.45·10-42.09·10-2bar1·10511·1031·1067507.5·1050.9871.021.02·10414.52.09·103hPa1001·10-311,0000.757509.87·10-41.02·10-310.21.45·10-22.09µbar0.11·10-61·10-317.5·10-40.759.87·10-71.02·10-61.02·10-61.45·10-52.09·10-3Torr1.33·1021.33·10-31.331,33011,0001.32·10-31.36·10-313.61.93·10-22.78micron0.1331.33·10-61.33·10-31.331·10-311.32·10-61.36·10-61.36·10-21.93·10-52.78·10-3atm1.01·1051.0131,0131.01·1067607.6·10511.031.03·10414.72.12·103at9.81·1040.9819819.81·105735.67.36·1050.96811·10-414.22.04·103mm WS9.819.81·10-59.81·10-298.17.36·10-273.69.68·10-51·10-411.42·10-30.204psi6.89·1036.89·10-268.96.89·10451.715.17·1046.8·10-27.02·10-27021144psf47.84.78·10-40.4784780.3593594.72·10-44.87·10-44.876.94·10-31
Tabelle 1.3: Umrechnungstabelle für Druckeinheiten
1.2.2 Allgemeine Gasgleichung
Jeder Stoff besteht aus Atomen oder Molekülen. Die Menge eines Stoffs wird definitionsgemäß in Mol angegeben. Ein Mol eines Stoffs enthält 6,022 ·1023 Teilchen (Avogadro-Konstante. Dies ist keine Zahl, sondern eine physikalische Größe mit der Einheit mol-1). 1 Mol ist dabei definiert als die Stoffmenge eines Systems, das aus genau so vielen Teilchen besteht, wie Atome in exakt 12 g Kohlenstoff des Nuklids 12C enthalten sind.Bei Normalbedingungen, also einem Druck von 101.325 Pa und einer Temperatur von 273,15 K (entspricht 0 °C), füllt ein Mol eines idealen Gases ein Volumen von 22,414 Litern aus.
Bereits 1664 untersuchte Robert Boyle den Einfluss des Drucks auf eine bestimmte Menge an Luft. Die später von Mariotte experimentell bestätigten Ergebnisse sind im Boyle-Mariotte’schen Gesetz zusammengefasst:
-
p\cdot V=\mbox{const.} Formel 1-4: Boyle-Mariotte’sches Gesetz
-
V=\mbox{const.}\cdot T Formel 1-5: Gay-Lussac’sches Gesetz
-
\frac{p\cdot V}{T}=\mbox{const.}
-
\frac{p\cdot V}T=\nu\cdot\mbox{const.}
-
p\cdot V=\frac{m}{M}\cdot R\cdot T Formel 1-6: Allgemeine Zustandsgleichung für ideale Gase [5]
- 𝑝 Druck [Pa]
- 𝑉 Volumen [m3]
- 𝑚 Masse [kg]
- 𝑀 Molare Masse [kg kmol-1]
- 𝑅 Allgemeine Gaskonstante [kJ kmol-1 K-1]
- 𝑇 Absolute Temperatur [K]
Die Stoffmenge 𝜈 kann auch als Anzahl der Teilchen im Verhältnis zur Avogadro-Konstante angegeben werden.
-
p\cdot V=\frac{N}{N_{A}}\cdot R\cdot T=N\cdot k\cdot T\quad\mbox{where }k=\frac{R}{N_{A}} Formel 1-7: Zustandsgleichung für ideale Gase I
- 𝑁 Teilchenanzahl
- 𝑁𝐴 Avogadro-Konstante= 6.022 · 1023 [mol-1]
- 𝑘 Boltzmannkonstante= 1.381 · 10-23 [J K-1]
Dividiert man jetzt beide Seiten der Gleichung durch das Volumen, erhält man
-
p=n\cdot k\cdot T Formel 1-8: Zustandsgleichung für ideale Gase II
1.2.3 Teilchenzahldichte
Aus Formel 1-7 und Formel 1-8 wird ersichtlich, dass der Druck proportional zur Teilchenzahldichte ist. Wegen der großen Zahl der Teilchen pro Volumeneinheit bei Normalbedingungen folgt, dass auch beispielsweise bei einem Druck von 10-12 hPa noch 26.500 Moleküle pro cm3 vorhanden sind. Deshalb kann man selbst im Ultrahochvakuum noch nicht von einem leeren Raum sprechen.Im Weltraum wird es bei extrem niedrigen Drücken immer weniger griffig, vom Druck in der Einheit Pascal zu sprechen, z. B. kleiner als 10-18 hPa. Diese Druckbereiche werden besser durch die Teilchenzahldichte beschrieben, z. B. < 104 Teilchen pro Kubikmeter im interplanetaren Raum.
1.2.4 Thermische Teilchengeschwindigkeit
In einem Behälter eingeschlossene Gasmoleküle stoßen völlig regellos miteinander. Dabei kommt es zur Übertragung von Energie und Impuls. Diese Übertragung führt zum Auftreten einer Verteilung von Geschwindigkeit bzw. kinetischer Energie. Die Geschwindigkeitsverteilung entspricht einer Glockenkurve (Maxwell-Boltzmann-Häufigkeitsverteilungsfunktion) mit einem Maximum bei der wahrscheinlichsten Geschwindigkeit,-
c_{w}=\sqrt{\frac{2\cdot R\cdot T}{M}}\quad\mbox{oder}\quad c_{w}=\sqrt{\frac{2\cdot k\cdot T}{m}} Formel 1-9: Wahrscheinlichste Geschwindigkeit [6]
-
\overline{c}=\sqrt{\frac{8\cdot R\cdot T}{\pi\cdot M}}\quad\mbox{$$ \mbox{或} $$}\quad\overline{c}=\sqrt{\frac{8\cdot k\cdot T}{\pi\cdot m}} Formel 1-10: Mittlere Geschwindigkeit [7]
-
GasChemisches
SymbolMolare Masse [g mol-1]MittlereGeschwindigkeit [m s-1]MachzahlWasserstoffH221,7545.3HeliumHe41,2453.7WasserdampfH2O185851.8StickstoffN2284701.4Luft294641.4ArgonAr403941.2KohlendioxidCO2443751.1Tabelle 1.4: Molare Massen und mittlere thermische Geschwindigkeiten verschiedener Gase [8]
1.2.5 Mittlere freie Weglänge
Öffnet man einen Parfümflakon in einer Zimmerecke, so dauert es sehr lange, bis man die gasförmigen Geruchsstoffe in der gegenüberliegenden Zimmerecke wahrnehmen kann. Diese Erfahrung widerspricht scheinbar den im vorigen Kapitel eingeführten mittleren Geschwindigkeiten der Gase. Der Grund dafür liegt in einer Vielzahl von Zusammenstößen, die ein Gasteilchen auf seinem Weg erleidet. Die durchschnittliche geradlinige Wegstrecke, die ein Gasteilchen ohne Zusammenstoß mit anderen Gasteilchen zurücklegen kann, wird mittlere freie Weglänge genannt.-
Abbildung 1.4: Mittlere freie Weglänge zwischen zwei Stößen
-
\bar{l}=\frac{k\cdot T}{\sqrt2\cdot\pi\cdot p\cdot d_{m}^2} Formel 1-11: Mittlere freie Weglänge
- 𝑙¯ mittlere freie Weglänge [m]
- 𝑑𝑚 Moleküldurchmesser[m]
- 𝑚 Masse [kg]
Aus Formel 1-11 erkennt man, dass die mittlere freie Weglänge linear von der Temperatur und umgekehrt proportional von Druck und Moleküldurchmesser abhängt. An dieser Stelle vernachlässigen wir in der Literatur diskutierte weitere Varianten dieser Gleichung, in denen z. B. auf Stöße unterschiedlicher Gasteilchen, Stöße von Gasteilchen mit Ionen oder Elektronen sowie Temperatureffekte eingegangen wird.
Um die Temperaturabhängigkeit der mittleren freien Weglänge zu zeigen, wird Formel 1-11 oft auch mit der Temperatur als einziger Variablen auf der rechten Seite der Gleichung geschrieben:
-
\bar{l}\cdot p=\frac{k\cdot T}{\sqrt2\cdot\pi\cdot d_{m}^2} Formel 1-12: Mittlere freie Weglänge II
-
GasChemisches
Symbol𝑙¯⋅𝑝
[m hPa]𝑙¯⋅𝑝
[m Pa]WasserstoffH211.5·10-511.5·10-3StickstoffN25.9·10-55.9·10-3OxygenO26.5·10-56.5·10-3HeliumHe17.5·10-517.5·10-3NeonNe12.7·10-512.7·10-3ArgonAr6.4·10-56.4·10-3Luft6.7·10-56.7·10-3KryptonKr4.9·10-54.9·10-3XenonXe3.6·10-53.6·10-3QuecksilberHg3.1·10-53.1·10-3WasserdampfH2O6.8·10-56.8·10-3KohlenmonoxidCO6.8·10-56.0·10-3KohlendioxidCO24.0·10-54.0·10-3ChlorwasserstoffHCl3.3·10-53.3·10-3AmmoniakNH33.2·10-53.2·10-3ChlorCl22.1·10-52.1·10-3Tabelle 1.5: Mittlere freie Weglänge ausgewählter Gase bei 273,15K [10]
-
Druck [Pa]Druck [hPa]mittlere freie
Weglänge [m]1·1051·1035.9·10-81·1041·1025.9·10-71·1031·1015.9·10-61·1021·1005.9·10-51·1011·10-15.9·10-41·1001·10-25.9·10-31·10-11·10-35.9·10-21·10-21·10-45.9·10-11·10-31·10-55.9·1001·10-41·10-65.9·1011·10-51·10-75.9·1021·10-61·10-85.9·1031·10-71·10-95.9·1041·10-81·10-105.9·1051·10-91·10-115.9·1061·10-101·10-125.9·107Tabelle 1.6: Mittlere freie Weglänge eines Stickstoffmoleküls bei 273,15 K (0 °C)
Der Zusammenhang zwischen Teilchenzahldichte und mittlerer freier Weglänge ist in Abbildung 1.5 grafisch gezeigt.
-
Abbildung 1.5: Teilchenzahldichte (rot, rechte y-Achse) und mittlere freie Weglänge (blau, linke y-Achse) für Stickstoff bei einer Temperatur von 273,15 K
1.2.6 Strömungsarten
Das Verhältnis von mittlerer freier Weglänge und dem Durchmesser des Strömungskanals kann zur Beschreibung von Strömungsarten dienen. Dieses Verhältnis wird als Knudsenzahl bezeichnet:-
\mathit{Kn}=\frac{\bar{l}}{d} Formel 1-13: Knudsenzahl
-
\bar{l} Mittlere freie Weglänge [m] -
d Weite des Strömungskanals [m] -
Kn Knudsenzahl dimensionslos
Der Wert der Knudsenzahl kennzeichnet die Art der Gasströmung und ordnet sie einem bestimmten Druckbereich zu. Tabelle 1.7 zeigt eine Übersicht über die unterschiedlichen Strömungsarten in der Vakuumtechnik und ihre wichtigsten Charakterisierungsparameter.
Profile der unterschiedlichen Strömungsarten sind in Abbildung 1.6 gezeigt.
-
Abbildung 1.6: Profile der unterschiedlichen Strömungsarten
Viskose Strömung im Grobvakuum
In einer viskosen Strömung, auch als Kontinuumströmung bekannt, kommt es zu häufigen Zusammenstößen der Gasteilchen untereinander, jedoch seltener mit den Gefäßwänden. Die mittlere freie Weglänge der Gasteilchen ist hier deutlich kleiner als die Abmessungen des Strömungskanals.Bei der viskosen Strömung unterscheidet man zwischen laminarer und turbulenter Strömung. Bei der laminaren oder Schichtströmung bleiben die Gasteilchen immer in gleichen parallel zueinander transportierten Schichten. Steigt die Strömungsgeschwindigkeit, so lösen sich diese Schichten auf und die Fluidteilchen laufen völlig ungeordnet durcheinander. Man spricht dann von turbulenter Strömung. Die Grenze zwischen diesen beiden Teilbereichen der viskosen Strömung kann durch den Wert der Reynolds-Zahl beschrieben werden:
-
Re=\frac{\rho\cdot\nu\cdot l}{\eta} Formel 1-14: Reynolds-Zahl
- Re Reynoldszahl dimensionslos
- ρ Dichte des Fluids [kg m-3]
- ν Strömungsgeschwindigkeit [m s1]
- l Charakteristische Länge [m]
- η Dynamische Viskosität [Pa s]
Bis zu Werten von ReRe < 2.300 ist die Strömung laminar und für ReRe > 4.000 turbulent. Im Bereich zwischen 2.300 < ReRe < 4.000 ist die Strömung vorherrschend turbulent. Es ist aber auch laminare Strömung möglich, beide Strömungsarten sind in diesem Bereich instabil.
Turbulente Strömung kommt im Vakuum nur beim Abpumpen von Atmosphärendruck oder schnellem Belüften vor. Man dimensioniert die Leitungen von Vakuumanlagen so, dass turbulente Strömung bei relativ hohen Drücken nur kurzzeitig auftritt, da die dabei auftretenden hohen Strömungswiderstände höhere Saugvermögen der eingesetzten Pumpen verlangen.
Knudsenströmung im Feinvakuum
Liegt die Knudsenzahl zwischen 0,01 und 0,5, spricht man von Knudsenströmung. Da viele Prozessdrücke im Feinvakuumbereich liegen, ist diese Strömungsart in technischen Vakuumanwendungen entsprechend häufig vertreten.
Molekulare Strömung im Hochvakuum und im Ultrahochvakuum
Bei Knudsenzahlen größer als 0,5 findet eine Wechselwirkung der Teilchen untereinander praktisch nicht mehr statt. Es herrscht Molekularströmung. Die mittlere freie Weglänge ist deutlich größer als die Weite des Strömungskanals. In der Molekularströmung liegt das Produkt aus Druck und Bauteildurchmesser bei ≤ 1,3 · 10-2 hPa cm.Eine grafische Zusammenfassung der Strömungsbereiche in Abhängigkeit vom Produkt aus Druck und Bauteildurchmesser ist in Abbildung 1.7 gezeigt.
-
Abbildung 1.7: Strömungsbereiche im Vakuum in Abhängigkeit von p · d
-
Viskose StrömungKnudsen-StrömungMolekular-StrömungGrobvakuumFeinvakuumHoch-/UltrahochvakuumDruckbereich [hPa]103…11…10-3< 10-3 bzw. < 10-7Druckbereich [Pa]105…10 2102…10 -1< 10-1 bzw. < 10-5KnudsenzahlKn < 0.010.01 < Kn < 0.5Kn > 0.5ReynoldszahlRe < 2,300: laminar
Re > 4,000: turbulentp · d [hPa cm]p · d > 0.60.6 > p · d > 0.01p · d < 0.01Tabelle 1.7: Übersicht Strömungsarten
1.2.7 pV-Durchfluss
Dividiert man die allgemeine Gasgleichung (Formel 1-6) durch die Zeit t, so erhält man den Gasstrom-
q_{pV}=\frac{p\cdot V}{t}=\frac{m\cdot R\cdot T}{M\cdot t} Formel 1-15: pV-Durchfluss
Man sieht aus der rechten Seite der Gleichung, dass bei gleicher Temperatur T ein konstanter Massenstrom gefördert wird. Dieser Gasstrom wird auch pV-Durchfluss oder Gasdurchsatz genannt. Bezogen auf eine Vakuumpumpe wird der geförderte Strom als Saugleistung bezeichnet.
-
q_{pV}=S\cdot p=\frac{dV}{dt}\cdot p Formel 1-16: Saugleistung einer Vakuumpumpe
-
S=\frac{dV}{dt} Formel 1-17: Saugvermögen einer Vakuumpumpe
-
Pa m3 / s = Wmbar l / sTorr l / satm cm3 / slusecsccmslmMol / sPa m3 / s1107.59.877.5·1035920.5924.41·10-4mbar l / s0.110.750.98775059.25.92·10-24.41·10-5Torr l / s0.1331.3311.321,00078.97.89·10-25.85·10-5atm cm3 / s0.1011.010.76176059.85.98·10-24.45·10-5lusec1.33·10-41.33·10-310-31.32·10-317.89·10-27.89·10-55.86·10-8sccm1.69·10-31.69·10-21.27·10-21.67·10-212.7110-37.45·10-7slm1.6916.912.716.71.27·1041,00017.45·10-4Mol / s2.27·1032.27·1041.7·1042.24·1041.7·1071.34·1061.34·1031
Tabelle 1.8: Umrechnungstabelle Saugleistung
1.2.8 Leitwert
Vakuumkammern sind im Allgemeinen über Rohrleitungen mit einer Vakuumpumpe verbunden. Infolge von äußerer Reibung zwischen Gasteilchen und Wandfläche und innerer Reibung der Gasteilchen untereinander (Viskosität) kommt es zu Strömungswiderständen, die sich in Druckunterschieden und Saugvermögensverlusten äußern. In der Vakuumtechnik benutzt man üblicherweise an Stelle des Strömungswiderstands W dessen Kehrwert, den Leitwert L oder C (Conductance). Der Leitwert hat die Dimension eines Saugvermögens und wird meist in [l s-1] oder [m3 h-1] angegeben.Strömt Gas durch eine Leitung, so stellt sich eine Druckdifferenz Δp an den Leitungsenden ein. Es gilt:
-
C=\frac{l}{W}=\frac{q_{pV}}{\Delta p} Formel 1-18: Definition Leitwert
-
R=\frac{U}{I}\mbox{ or }\frac{1}{R}=\frac{I}{U} Formel 1-19: Ohm’sches Gesetz
-
C_{\mbox{ges}}=C_1+C_2+...+C_{n} Formel 1-20: Parallelschaltung Leitwerte
-
\frac{1}{C_{\mbox{ges}}}=\frac{1}{C_1}+\frac{1}{C_2}+...+\frac{1}{C_{n}} Formel 1-21: Reihenschaltung Leitwerte
-
Abbildung 1.8: Leitwert eines runden glatten Rohrs in Abhängigkeit vom mittleren Druck in der Rohrleitung
Im Rahmen dieses Buchs beschränken wir uns auf die Betrachtung der Leitwerte von Blenden und runden, langen Rohren für den laminaren und molekularen Strömungsbereich.
Blenden sind häufige Strömungswiderstände in Vakuumanlagen. Beispiele sind Querschnittsverengungen in Ventilen, Belüftungseinrichtungen oder Blenden in Messdomen für die Saugvermögensmessung. Bei Rohröffnungen an Behälterwänden muss zusätzlich zum Rohrwiderstand auch der Blendenwiderstand der Eintrittsöffnung berücksichtigt werden.
Verblockte Strömung
Betrachten wir die Belüftung eines Vakuumbehälters. Beim Öffnen des Flutventils strömt Luft aus der Umgebung mit dem Druck p unter hoher Geschwindigkeit in den Behälter ein. Die Strömungsgeschwindigkeit erreicht maximal Schallgeschwindigkeit. Hat das Gas Schallgeschwindigkeit erreicht, ist auch der maximale Gasdurchsatz erreicht, mit dem der Behälter belüftet werden kann. Die durchströmende Menge qpV ist unabhängig vom Behälterinnendruck pi. Es gilt für Luft:
-
q_{pV}=15.7\cdot d^2\cdot p_{a} Formel 1-22: Verblockung einer Blende [11]
- 𝑑 Durchmesser der Blende [cm]
- 𝑝𝑎 Aussendruck am Behälter [hPa]
Gasdynamische Strömung
Steigt nun der Druck im Behälter über einen kritischen Innendruck an, so reduziert sich der Gasstrom und kann mit gasdynamischen Gesetzen nach Bernoulli und Poiseuille berechnet werden. Der durchtretende Gasstrom qpV und der Leitwert sind abhängig von- Engstem Querschnitt der Blende
- Außendruck am Behälter
- Innendruck im Behälter
- Allgemeiner Gaskonstante
- Absoluter Temperatur
- Molarer Masse
- Adiabaten-Exponent (= Verhältnis der spezifischen bzw. molaren Wärmekapazitäten bei konstantem Druck cp bzw. konstantem Volumen cV) [12]
Molekularströmung
[13]Verbindet eine Blende zwei Behälter, in denen molekulare Strömungsbedingungen vorliegen (ist also die mittlere freie Weglänge wesentlich größer als der Durchmesser des Behälters), so gilt für die pro Zeiteinheit durchströmende Gasmenge qpV
-
q_{pV}=A\cdot\frac{\bar{c}}{4}\cdot(p_1-p_2) Formel 1-23: Blendendurchfluss
- A Querschnitt der Blende [m2]
- c¯ Mittlere thermische Geschwindigkeit [m s-1]
-
C_{\mathrm{or,\,mol}}=A\cdot\frac{\bar{c}}{4}=A\cdot\sqrt{\frac{kT}{2\pi m_0}} Formel 1-24: Blendenleitwert
- 𝑘 Boltzmann-Konstante [m2 kg s-2 K-1]
- 𝑚0 Molecular mass in kg
Für Luft mit einer Temperatur von 293 K ergibt sich
-
q_{pV}=A\cdot\frac{\bar{c}}{4}\cdot(p_1-p_2) Formel 1-25: Blendenleitwert für Luft in [l / s]
- A Querschnitt der Blende [m2]
- C Leitwert [l s-1]
Mit Hilfe dieser Formel kann man das maximal mögliche Saugvermögen einer Vakuumpumpe mit Ansaugöffnung A bestimmen.
Das maximale Saugvermögen einer Pumpe unter molekularen Strömungsbedingungen ist also durch die Ansaugöffnung bestimmt.
Betrachten wir nun Leitwerte von Rohren. Bei laminarer Strömung in einem langen Rohr mit rundem Querschnitt ist der Leitwert des Rohres dem mittleren Druck proportional:
-
C_{\mathrm{pipe,\,lam}}=\frac{\pi\cdot d^4}{256\cdot\eta\cdot l}\cdot(p_1+p_2)=\frac{\pi\cdot d^4}{128\cdot\eta\cdot l}\cdot\bar{p} Formel 1-26: Leitwert Rohr laminar
Formelzeichen | Einheit |
|---|---|
[Pa
| |
d | [m] |
l | [m] |
p | [Pa] |
C | [m3/s] |
Für Luft bei 20 °C ergibt sich
-
q_{pV}=A\cdot\frac{\bar{c}}{4}\cdot(p_1-p_2) Formel 1-27: Leitwert Rohr laminar für Luft
- l Länge des Rohrs [cm]
- d Durchmesser des Rohrs [cm]
-
\bar{p} Druck [Pa] - C Leitwert [l s-1]
-
C_{\mathrm{pipe,\,mol}}=C_{\mathrm{orifice,\,mol}}\cdot P_{\mathrm{pipe,\,mol}} Formel 1-28: Rohr molekular
Für lange runde Rohre gilt:
-
P_{\mathrm{pipe,\,mol}}=\frac43\cdot\frac{d}{l} Formel 1-29: Durchtrittswahrscheinlichkeit für lange runde Rohre
-
C_{\mathrm{pipe,\,mol}}=\frac{\bar{c}\cdot\pi\cdot d^3}{12\cdot l} Formel 1-30: Leitwert Rohr molekular
-
C_{\mathrm{pipe,\,mol}}=12.1\cdot\frac{d^3}{l} Formel 1-31: Leitwert Rohr molekular
d Durchmesser des Rohrs [cm]
C Leitwert [l s-1]